Benvenuto a Venezia! Der Duft von Salzwasser mischt sich mit dem Hauch von Parfum und teurem Aftershave, während die Sonne langsam hinter den alten, bröckelnden Palazzi der Lagunenstadt versinkt. Es ist wieder jene besondere Zeit im Jahr, wenn Hollywood den nordöstlichen Zipfel Italiens erobert, begleitet von Blitzlichtern, Champagnerkorken und einer gehörigen Portion Drama. Das Venice Film Festival 2025 hat begonnen, und wer genau hinschaut, sieht nicht nur Schauspieler auf dem roten Teppich, sondern auch eine ganz eigene kleine Mode-Revival, die sich mit dem sanften Wogen der venezianischen Kanäle mischt.
Der Auftakt ins Festival gleicht einer Inszenierung, die irgendwo zwischen einem sommerlichen Postkartentraum und der Reinkarnation alter Hollywood-Glamour-Mythen schwebt. George und Amal Clooney, seit Jahren das Traumpaar, das es irgendwie schafft, trotz all des öffentlichen Rummels immer ein bisschen ruhig, stilvoll und fast unnahbar zu bleiben, zeigen sich dieses Mal so entspannt wie ein Urlauber, der seinen Aperol Spritz in den Händen hält. Die Kombination aus locker geschnittenen Leinenanzügen, pastelligen Hemden und einem Lächeln, das mehr von einem Flüstern als von einem Ausruf zeugt, lässt sie aussehen, als seien sie geradewegs einem mediterranen Sommermärchen entsprungen.
Nicht weniger bemerkenswert ist Jesse Plemons, der mit seinen Bootsschuhen eine kleine, aber feine Revival-Bewegung auslöst. „Prep is back!“, jubelt die Modepresse, wenn sie die Szene beobachten, wie der Schauspieler scheinbar mühelos sportlich-elegante Klassik mit modernem Understatement verbindet. In einer Welt, die sich gerne in ausgefallene Designerstücke wirft, ist Plemons’ zurückhaltende Eleganz fast schon rebellisch – ein eleganter Gruß zur Küste, zum Summer Vibe und zum locker-leichten Stil, der auch eine gewisse Bodenständigkeit bewahrt.
Und dann ist da noch Adam Sandler, der mit seiner unnachahmlichen Mischung aus lässigem Humor und entspannter Coolness eine kleine Brücke baut zwischen Hollywood-Komödie und ernstzunehmendem Festivalauftritt. In seiner gewohnt entspannten „Basketball-Shorts-und-Kapuzenpulli“-Kombination wirkt er wie der sympathische Junge von nebenan, der beim Seafood-Lokal um die Ecke eine Pause vom Glanz und Glamour des Festivals macht. Ohne das Showbiz-Getöse, einfach nur Sandler – und doch ist gerade das seine Art, sich selbst im Trubel der Filmwelt treu zu bleiben.
Auch filmisch verspricht das Festival bemerkenswert zu werden: Noah Baumbachs „Jay Kelly“ vereint mit Clooney und Sandler zwei Generationen von Schauspielkunst, während Yorgos Lanthimos mit „Bugonia“ und seiner unnachahmlichen, surrealen Handschrift die Grenzen zwischen Fantasie und Realität auslotet – bereichert durch die Präsenz von Emma Stone und Plemons. Es sind genau diese Projekte, die das Festival mehr als nur eine glitzernde Modenschau machen, sondern zu einem lebendigen Forum für Erzählungen, die sowohl die gesellschaftlichen Brüche als auch die kleinen Alltagswunder reflektieren.
Julia Roberts, Andrew Garfield und Ayo Edebiri sind mit „After the Hunt“ zu Gast, ein Film, der als stiller Beobachter hinter die Kulissen menschlicher Beziehungen blickt – melancholisch und doch voller Hoffnung. Und Guillermo del Toro, der Meister der dunklen Märchen, nimmt mit seiner Version von „Frankenstein“ die klassische Horror-Gestalt neu unter die Lupe, mit Jacob Elordi als unmenschlichem, aber zutiefst verletzlichem Monster.
Man kann sich leicht vorstellen, wie in den Abendstunden die Villa des Festivals zum Treffpunkt für alte Leinwandlegenden und junge Avantgarde-Künstler wird, während die Kanäle im Mondlicht glitzern und manchmal ein Motorboot lautlos vorbeizieht – ein unaufgeregtes Symbol für die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, von Tradition und Innovation. Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in der Mode wider: nicht das grelle Spektakel der Megabühnen, sondern leise, verspielte Stylings, die Geschichten erzählen und durchlässig sind für die eigene Persönlichkeit.
Venedig leistet sich diesen Kosmos aus Glamour, Kunst und Alltag stets mit einem gewissen bittersüßen Unterton – als wüsste die Stadt genau, dass all der Glanz nur eine Momentaufnahme ist, flüchtig wie der Schatten eines Gondoliere auf dem Wasser. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Magie, die das Venice Film Festival jedes Jahr aufs Neue hervorzubringen vermag: Es lässt uns träumen, genau in dem Bewusstsein, dass diese Träume auch wieder vergehen werden. Bis zum nächsten Sommer, bis zum nächsten Auftritt, bis zu den nächsten Bootsschuhen und Kapuzenpullis.
Viva il cinema – und dann wieder der Alltag, der sanft anklopft, irgendwo zwischen Brücken und Kanälen, mitten in einer Stadt, die zeitlos bleibt, während sich alles um sie herum verändert.