Der Spätsommer mag längst in kühlere Gefilde abgedriftet sein, doch im Billie Jean King National Tennis Center in New York City glüht die Luft noch immer – und nicht nur wegen der Scheinwerfer und der schier endlosen Ballwechsel auf den Courts. Die US Open 2025 sind da, und mit ihnen ein Schauspiel der Gegensätze: hoch konzentrierte Athleten, die in Sekundenbruchteilen über den Platz fegen, auf der Tribüne Prominente in teils skurrilen Styles, als wäre der Flushing Meadows Tennispark eine Netflix-Serie in der dritten Staffel, die endlich so richtig Fahrt aufnimmt.
Die US Open haben schon immer eine ganz eigene Aura gehabt, fast wie der unkonventionelle, leicht aufsässige Cousin im Grand-Slam-Klan. Wo Wimbledon mit seinen weißen Linien und althergebrachten Dresscodes in aristokratischer Steifheit erstickt, atmet die US Open Funk und Freigeist. Dieses Jahr zeigt sich das nicht nur auf den Bannern entlang der zentralen Showplätze, sondern auch in den Frisuren, Stoffen und Faces der Spieler und Zuschauer. Ein Kaleidoskop aus Auffälligkeiten, die von DIY-Chic geprägt sind – ein Kontrastprogramm zum mondänen Ernst, den das Tennis in anderen Ecken der Welt gerne an den Tag legt.
Carlos Alcaraz, das spanische Wunderkind, hat der Revolution einen neuen Coup verpasst: Er ließ sich die Haare auf einen Buzzcut stutzen, was anfangs fast mehr überraschte als die spielerische Leichtigkeit, mit der er die Bälle übers Netz zauberte. Es ist diese Art von Mut, die den US Open 2025 einen gewissen rebellischen Glanz verleiht – nicht nur sportlich, sondern auch modisch. Zwischen den angestrengten Gesichtern der Gegner blitzt manchmal eine Spur von unbändiger Jugend auf, die eben nicht nur in den Tennisschlägen steckt.
Venus Williams präsentierte hingegen eine Hommage an ihre Herkunft: eine eigens für sie entworfene Kollektion der Venice Beach-Marke ERL, deren Lifestyle mit einer lässigen Coolness einen frischen Wind ins Turnier weht. Auffällig nicht nur der Schnitt, sondern auch ein buntes Accessoire der besonderen Art – eine Tennisracket-Tasche, über und über mit flauschigem Shearling besetzt. Ein Statement gegen die Tristesse des Alltäglichen, das gut zum LA-Sonnengefühl passt, das Venus irgendwie immer ausstrahlt, egal wo sie auf dem Globus gerade die Linien zieht.
Novak Djokovic, der Serbe, der sich wie ein alchemistisch geschickter CEO der Tenniswelt inszeniert, betrat den Court in einer Extravaganz aus maßgeschneidertem Lacoste. Seine Jacke zeigte stolz seine Grand-Slam-Erfolge – als ob die Trikots auf dem Platz allein nicht genügten, um seine Aura zu unterstreichen. Vielleicht braucht es diese visuelle Üppigkeit, um mit der sich ständig verändernden Tennislandschaft mitzuhalten, oder um dem unausweichlichen Verlauf der Zeit Front zu machen.
Auf der Tribüne fiel ebenfalls so einiges ins Auge. Trinity Rodman, Tochter des Basketball-Ikons Dennis Rodman und mittlerweile auf eigenen sportlichen Bahnen unterwegs, unterstützte ihren Freund Ben Shelton auf ihre ganz eigene Weise. In einer maßgeschneiderten Jogginghose mit dem Aufdruck „Shelton“ verwebilgte sie das Flushing Meadows-Flair mit einer Prise familiärer Intimität. Währenddessen trug Victor Cruz, der frühere NFL-Star, eine rugbyinspirierte Kreation von Aimé Leon Dore, die irgendwo zwischen High Fashion und sportlichem Understatement tänzelte. Jeff Goldblum, der ewige Charmeur des Kinoleinwands, kam in einem sandfarbenen Anzug, begleitet von Margiela-High-Top-Sneakern – eine Kombination, die genau den schrägen Nerv trifft, den man auf einer Szene wie dieser sucht.
Die US Open sind mehr als nur ein Tennisturnier, mehr als Grand Slam und Punktekonto. Sie sind eine Bühne, auf der sich Mode und Sport verbünden und sich ein Spiegel der Zeit ablesen lässt. Wenn Spieler und Zuschauer hier zusammenkommen, trifft Tradition auf Rebellion, Eleganz auf nonchalante Coolness. Und wo die Netzpfosten schon unter der Hitze des Matches zu schwitzen scheinen, wird die sommerliche Melancholie spürbar – der Sommer, der sich verabschiedet, die Hoffnung, die neue Saison, neue Gesichter und vielleicht neue Geschichten.
Am Ende bleibt das Gefühl, dass diese Veranstaltung mehr ist als ein sportliches Spektakel. Sie ist ein kleines urbanes Theater, das mit seinen Figuren und ihren Geschichten lebt; ein temporärer Mikrokosmos, in dem man Mode, Leistung und Menschlichkeit beobachten kann – ganz nah und doch mit einem leisen, ironischen Augenzwinkern. So wie es nur der Spätsommer im Big Apple kann.