Manchmal braucht es mehr als nur einen Ball, um sich selbst zu verstehen. Josh Allen, das Gesicht der Buffalo Bills und einer der herausragendsten Quarterbacks der NFL, scheint genau diesen Ansatz gefunden zu haben – zwischen herzhaften Pässen auf dem Footballfeld und sanften Schwüngen auf dem Golfplatz. Während die Kameras ihn normalerweise in Helmen und Trikots zeigen, trägt er auf dem Grün eher die Ruhe eines Mannes, der nach Balance sucht.
Letzte Woche schloss Allen sein fünftes Turnier beim American Century Championship ab, einem jährlichen Treffen unter Prominenten, die lieber mit einem Golfball als mit einem Football umgehen. Dort erzielte er Platz 34 von 90, punktgleich mit dem Footballhall-of-Famer Tim Brown – eine nüchterne, fast überraschende Zahl für jemanden, der sonst in der NFL als Überflieger gilt. Golf, so erzählt er, ist mehr als ein Spiel oder eine Ablenkung. Es ist eine Art physisches Meditation, eine Möglichkeit, den Körper anders herauszufordern und den Geist zur Ruhe zu bringen.
Dass Ruhe alles andere als selbstverständlich ist, wird deutlich, wenn Allen über seinen Schlaf spricht. Der Profi, der Reisen quer durch die USA und darüber hinaus gewohnt ist, kämpft mit Schlafproblemen. „Mein Kopf rast ständig“, erzählt er im Gespräch, das ich mit ihm führen durfte. Lange Nächte, die nicht dem Schlaf gewidmet sind, sondern dem gedankenlosen Wachsein – eine Qual, für jemanden, der auf maximale Leistung angewiesen ist. Seine Antwort: eine Zusammenarbeit mit Natrol, einem Schlafmittelanbieter, der ihm auf langen Flugreisen zu nächtlicher Ruhe verholfen hat. Neun Stunden am Stück schlief er im Flugzeug – ein seltener Luxus für den Leistungssportler. Eine Erkenntnis, die er nicht als Selbstverständlichkeit hinnimmt: „All das Training, die Diät – das alles bringt nichts, wenn du nicht richtig schläfst und am nächsten Morgen erholt aufwachst.“ Schlaf, sagt Allen, sei das Fundament, auf dem alles andere ruht.
Dass es ihm ernst ist mit seiner Erholung, sieht man nicht zuletzt an seinem Lebensstil. Ein eigener Infrarotsauna-Raum mit rotem Lichtsignal in der Wohnung, ein Ritual, das er gemeinsam mit seiner Frau zelebriert. Die beiden, jüngst verheiratet – Hailee Steinfeld, eine Schauspielerin, an seiner Seite –, scheinen nicht nur im Privaten, sondern auch in puncto Gesundheitsbewusstsein zusammenzuwachsen. „Ich will gut aussehen“, gesteht der 27-Jährige mit einem fast schelmischen Lächeln. Die passende Kleidung zum Hochzeitstag sitzt nur, wenn man seinem Körper etwas Gutes tut. Und das hat für ihn, wie für viele, vor allem mit der Ernährung zu tun.
Seine Diät – leicht, proteinreich, oft pflanzenbasiert oder mit frischem Fisch – ist eine bewusste Reise weg von üppigen Steaks und Butterbergen zu einer saubereren, schlankeren Lebensweise. Sushi hat ihn erwischt, ein kleines kulinarisches Lädchen seines neuen Ichs, das mit jedem Bissen die Komplexität und Balance seines Alltags widerspiegelt. Kalorien zählt er nicht penibel, dennoch versichert er: „Ich esse sauber.“ Die Mahlzeiten in Buffalo bereitet ein persönlicher Koch zu, dessen Aufgabe es ist, ihm genau die Balance zu geben, die der Körper braucht, um die nächsten Herausforderungen zu bestehen.
Aber Ernährung und Schlaf sind nur zwei Mosaiksteine eines größeren Bildes: Josh Allens körperliche Fitness bleibt ein sensibles Projekt, das er mit einem wohl dosierten Trainingsprogramm verfolgt. Vier Tage pro Woche – kein übertriebenes Muskelgespiele, sondern funktionale Einheiten, die Ober- und Unterkörper abwechseln. Eine besondere Rolle spielt dabei das Schwimmen, das ihm seit der Kindheit vertraut ist und bis heute ein Gegenpol zu den Belastungen auf dem Footballfeld bildet. „Widerstand ohne Belastung der Gelenke“, nennt er es, eine fast poetische Beschreibung einer Sportart, die nicht nur Athleten brauchen, sondern wohl alle, die sich in ihrem Körper zuhause fühlen wollen.
Zurück zum Golf: Mehr als nur ein Nebenspiel. Allen nimmt sich in jeder Offseason Zeit, seinen Schwung zu perfektionieren – Videoanalysen, Trainerstunden, Feedback von Freunden auf Tour. Sein Spiel verbessert sich ständig, und doch ist das Green für ihn auch ein Ort der Stille und Konzentration, fernab des tosender Stadions. Während in Buffalo der Winter naht und die Golfschläger in der Ecke ruhen, arbeitet Allen daran, sich selbst mit jedem Schlag besser kennenzulernen. Vielleicht ist dieses nagtierende Streben nach Perfektion, gepaart mit der Sehnsucht nach Ruhe, eines der Dinge, die ihn nicht nur zum Sportler machen, sondern irgendwie auch zum Menschen – verletzlich, nachdenklich, unvollkommen.
Josh Allen steht nicht nur für den schnellen Pass oder den spektakulären Touchdown. Er steht für die stillen Pausen, für das Innehalten zwischen Trubel und Blitzlicht. Für den Wunsch, nachts wirklich zu schlafen, die schwere Last des Tages abzuwerfen und morgen wieder bereit zu sein – auf dem Feld, auf dem Grün, im Leben. Zwischen den Zeilen seines Trainingsplans und der Analyse seiner Diät liest man eine Geschichte, die so unspektakulär wie wichtigsten ist: die Geschichte von jemandem, der sich selbst nicht überfordert, sondern immer wieder ganz bewusst eine Verschnaufpause erlaubt. Und vielleicht ist genau das der wahre Erfolg.