Brad Pitt betritt den roten Teppich in New York City – und ist nichts weniger als ein Phänomen. Es ist ein Montagabend im Herzen von Times Square, der Neonlichter in seine rauchfarbenen Sonnenbrillen spiegelt, und da steht er: 61 Jahre alt, aber in der Aura eines durch und durch unwiderstehlichen Filmstars. Sein maßgeschneiderter, zweireihiger Dinner-Jackett in einem samtigen Navy-Ton mit kontrastierendem schwarzem Grosgrain-Revers, dazu ein blasses, zartrosa Hemd, seine John Lobb-Loafer mit feinem Schnallenverschluss und ein blütenpinker Einstecktuch – das sieht nicht nur nach einem Abend auf dem roten Teppich aus, das fühlt sich überhaupt nicht an wie ein gewöhnlicher Auftritt. Es ist Brad Pitt, wie man ihn kennt und doch auch: ganz anders.
Hinter diesem Auftritt steckt kein Zufall, sondern eine gut durchdachte Strategie – eine Liaison zwischen dem Schauspieler und seinem langjährigen Stylisten George Cortina, der sich für die weltweite Presse-Tour seines neuen Films „F1“ mit niemand Geringerem als der Savile Row-Ikone Anderson & Sheppard zusammentat. Ein 119 Jahre altes Haus in London, gehütet von einem Team aus Meistern seines Fachs, das Bekannte in der Branche als nahezu unerreichbar für normale Kunden beschreibt. Nicht für Brad Pitt. Da machen Ausnahmen offenbar selbst vor der noblen Tradition eines der berühmtesten Schneiderhäuser der Welt halt.
„Die machen das für niemanden“, erklärt Cortina am Telefon von Los Angeles aus. Doch die schon lange bestehenden Verbindungen zwischen dem Stylisten und dem Haus, gepaart mit der Ausnahmestellung des Schauspielers, führten zu dieser exklusiven Ausnahmegenehmigung. Dass Brad Pitt dafür nicht einmal extra nach London reisen konnte, war kein Hindernis: Anderson & Sheppard schneiderten die Anzüge einfach „trocken“ – nach Maß, ohne Probe – und Cortina ließ sie von einer Schneiderin nur minimal anpassen. „Sie saßen ziemlich genau“, berichtet er mit einem Hauch von Respekt in der Stimme.
Und dann die Farbe: Statt sich mit dem üblichen, dezenten Schwarz oder Grau zu begnügen, wollte Pitt Farbe – Buttergelb, Purpur, Silber – doch für den New York-Auftritt wählten sie eine Mischung aus Klassik und Moderne: ein leichter Anzug in Navy-Schwarz. Erinnert man sich an den lilafarbenen Anzug, den Pitt bei der Premiere in Mexiko-Stadt trug, wird klar, welche mutige Richtung hier eingeschlagen wird. Nicht nur ein Schauspieler, der sich für den Film schmückt, sondern ein Mann, der seine eigene Rolle auf dem Stylinglevel neu definiert.
Dieses ungewöhnliche Unterfangen erinnert an die goldene Ära des maßgeschneiderten Herrenanzugs, vor allem an die wagemutigen Schnitte von Tommy Nutter, einem der großen britischen Schneider aus den 1970er-Jahren – ein Zeitalter, das Savile Row aus traditionellen Zwängen befreien wollte und dennoch nie den Anstrich von Anpassung verlor. Für Cortina ist es eine Rückkehr zu dieser Zeit, in der das Maßschneidern rebellisch und doch elegant war: „Wir wollten etwas anderes machen – innerhalb der Welt von Savile Row und der Modewelt, weil viele Leute denken, dass diese beiden Welten nichts miteinander zu tun haben.“
Und doch ist es diese Verschmelzung, die den Auftritt Brad Pitts zwischen Hollywood-Glamour und traditioneller Maßschneiderei so besonders macht. Mehr als nur ein Anzug auf dem roten Teppich ist es ein Stück Geschichte, das neu erzählt wird. Eine unaufdringliche, beinahe melancholische Liebeserklärung an Handwerkskunst und zeitlose Klasse – hier, wo Mode zu einem unaufhörlichen Spiel wird zwischen Bewahren und Verändern, zwischen dem Alten und dem neuen Bild des Mannes, der im Licht der Welt steht. So hinterlässt Brad Pitt nicht nur Spuren, sondern wirft einen weichen Schatten: eine Erinnerung daran, dass Stil niemals nur Stil sein darf, sondern stets auch eine Haltung.