Heinz Schimmelbusch, ein Name, der in den neunziger Jahren für einiges Aufsehen sorgte, steht heute wieder im Rampenlicht – und zwar nicht als skandalumwitterter Geschäftsmann, sondern als Pionier im Rohstoffsektor. In einem kleinen, unscheinbaren Büro in Frankfurt am Main erstrahlt eine Tafel mit dem Schriftzug „Edelmetalle und Rohstoffe“ über dem Schreibtisch des mittlerweile 81-Jährigen. Hier, umgeben von Akten und Bergbauplänen, erinnert nur das schwache Licht der Schreibtischlampe an die vorgerückte Stunde und die Geschichten, die diese Wände gehört haben.
Sein Weg war alles andere als geradlinig. In den späten 80ern und frühen 90ern wurde Schimmelbusch als Meister der waghalsigen Deals gefeiert, das radikalste Beispiel einer unternehmerischen Unerschrockenheit, die in der Allianz der „Deutschland AG“ bald nicht mehr tolerated werden sollte. Damals setzten seine Konzepte Maßstäbe, die die Grenzen der traditionellen Wirtschaftsdenke sprengten. Doch das große Auf und Ab ließ nicht lange auf sich warten: Operationen im international geprägten Rohstoffhandel führten zu einem rapiden Rückzug aus dem Geschäft. Die Wall Street, die ihn schnell zum Star machte, war ebenso schnell bereit, ihn wieder fallen zu lassen, als die Entscheidungen nicht mehr mit dem deutschen Konsens vereinbar waren.
Heute, nach Jahrzehnten des Schweigens, ist er zurück, und die Welt hat sich verändert. Rohstoffe, das alte Eisen des Handels, sind plötzlich der neue Goldrausch. Schimmelbusch, der Mann, den viele für tot geglaubt hatten, sitzt nun am zentralen Tisch des unternehmerischen Diskurses, auch wenn er sich manchmal noch immer als Paria fühlt. Seine lange Zeit im Schatten hat ihn nicht gebrochen, sondern geformt. „Ich habe das Glück, aus Fehlern zu lernen“, sagt er und plumpst in seinen Sessel zurück.
In ihm steckt eine ungebrochene Vitalität, die gerade rechtzeitig kommt, um dem aktuellen Hype um wertvolle Materialien, wie Lithium oder Kobalt, ein neues Gesicht zu verleihen. Schimmelbusch weiß, dass der Aufschwung nicht von Dauer sein wird – überoptimistisch ist er nicht. „Wenn wir nicht lernen, nachhaltiger zu wirtschaften, wird uns auch der größte Rohstoffboom nicht helfen“, konstatiert er und blickt nachdenklich aus dem Fenster auf den pulsierenden Giroverkehr der Frankfurter Skyline.
Einige der namhaftesten Hersteller und Dienstleister im Bereich der erneuerbaren Energien richten ihre Augen auf Schimmelbusch. Er zieht die Fäden, berät, vernetzt und produziert jene seltenen Erden, die so wichtig für die Transformationsbewegung der modernen Industrie sind. „Mein Ziel ist es, eine Art Erbschaft zu hinterlassen, die über Geld hinausgeht“, äußert er kaum hörbar, und es versäuft sich eine Mischung aus Entschlossenheit und Bescheidenheit in seiner Stimme.
Sein Büro wirkt aufgeräumt – keine Papiere auf dem Boden, die Stühle perfekt an die Wände gerückt. Dennoch, in diesem Raum lässt sich das chaotische Rückgrat des geschäftlichen Lebens erahnen: Die zahlreichen Skizzen an den Wänden sind Entwürfe von Ideen, die niemals Wirklichkeit wurden, von risikobehafteten Plänen, die ihn lächerlich machten, als sie scheiterten. Schimmelbusch hat gelernt, die Rückschläge zu akzeptieren: „Man muss bereit sein, alles zu verlieren, um das Entscheidende zu gewinnen.“
Neben seinem Schreibtisch steht eine kleine Sammlung von Gesteinen, die er aus seinen vielen Reisen mitgebracht hat. Ob es Gold ist, Zink oder unverarbeitete Kohlenstoffe – jeder Stein erzählt eine Geschichte, und Schimmelbusch kann sich an jedes Detail erinnern: „Die Menschen, die ich dort getroffen habe, die Kulturen, die ich kennenlernen durfte – das bleibt bei mir, das prägt.“
Seine Augen leuchten, als er das tiefe Wissen über die geologischen Geheimnisse beschreibt, die er sich angeeignet hat. Vielleicht liegt hier das Geheimnis seines Comebacks – ein uneingeschränktes Verlangen nach dem Verborgenen, das er findet, wo andere nicht suchen. „Wir sind heute zu sehr von den Zahlen geprägt“, sagt er. „Das Geschäft mit Rohstoffen ist auch ein Geschäft mit einem Stück Erde, mit der Seele der Natur.“
Langsame Musik dringt aus dem Nachbarbüro, während Schimmelbusch mit einem alten Arbeitskollegen plaudert, der ihm an diesem Nachmittag eine Tasse Tee bringt. Es ist die Leichtigkeit, die ihn und auch die Menschen um ihn herum beschwingt. In der Alltagshektik, in der wir leben, ist es selten, auf jemanden zu treffen, der das Geplante hinter sich lässt und sich dem Moment hingibt. Bei Schimmelbusch sieht man das Verborgene in dem Alltäglichen. Ob es der alte Stuhl ist, den er für sein Büro geerbt hat oder die Worte eines Geologen, die er sich stets merkt – seine Begeisterung überträgt sich auf den Raum.
Doch hat dieser Mensch, der mit seinen 81 Jahren das Bild eines unkonventionellen Unternehmers verkörpert, seinen Frieden gefunden? In einem Unterton schwingt die Einsamkeit mit, die in den großen Visionen steckt. „Ich habe viele Gegner in der Branche – Menschen, die mich gerne nicht mehr sehen wollen“, sagt er leise. Und doch bleibt er stur und geht seinen eigenen Weg. Auf die Frage nach seinen Träumen lächelt er nur und gibt zu, dass er noch viele Ideen hat.
Das Licht auf dem Tisch wird schwächer, und die Straßen Frankfurts werfen den schwindenden Tag in sanfte Blau- und Grautöne. Im Moment der Stille kann man spüren, dass Schimmelbusch mehr als nur ein Unternehmer ist – in ihm steckt der Geist eines Abenteurers, der sein Leben als eine ununterbrochene Suche sieht. Und auf dieser Suche wird er weiterhin pulsieren, voller Ideen und unaufhörlicher Neugier.
Sein Schicksal, sein Herz, und sein unveränderter Mut stehen an der Kreuzung von Gesetzmäßigkeiten und Visionen. Schimmelbusch ist nicht nur ein Unternehmer von gestern, sondern vielleicht der Vorreiter von morgen: ein Mann, der mehr als die Summe seiner Deals und Misserfolge ist, ein Getriebener, der in einer ständig wechselnden Welt die essenzielle Frage nach dem „Warum“ weiter stellt.