Je wilder die Welt, desto größer die Heldentaten
Es war ein spätherbstlicher Nachmittag in Washington D.C., als in der Eingangshalle des Trump Towers ein magentafarbener Drache über dem verspiegelten Marmor schwebte. Der Drache, ein Banner, das zu einer der zahlreichen Veranstaltungen der MAGA-Bewegung geladen hatte, war sowohl ein Symbol der Euphorie als auch der Verzweiflung, die sich in der amerikanischen Politik breitgemacht hatte. „Donald Trump, der große Friedensbringer!“ hallte es durch die Menge. Am Ende des Raums saß der Präsident, eingefasst in seinen goldenen Sessel, ein Lächeln in seinem Gesicht, das für viele wie das Siegel des Erfolgs wirkte.
Jene Tage im November 2020 waren nichts weniger als ein Wendepunkt. Der Waffenstillstand zwischen Israel und Iran wurde in der konservativen Basis wie eine große Heldentat gefeiert. Ein Jubelsturm brach los, der selbst die skeptischsten Stimmen in der eigenen Partei zum Verstummen brachte. Man konnte die Begeisterung förmlich spüren. Mit jedem Handyanruf, der hier und da verweilte, wurde das Interesse größer – der alte Groll schien vergessen, während sämtliche Fragen nach der künftigen Rolle der US-Außenpolitik wie ein Schatten in die Ecke gedrängt wurden.
In den überfüllten Räume, die als strategisches Hauptquartier der Trump-Kampagne dienten, bot sich ein Kontrastbild. Die jugendlichen Freiwilligen trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „Präsident Trump: Peace Maker“ und tupften ihre Augen mit Tränen der Rührung, während sie in den sozialen Medien die neuesten Nachrichten aus dem Nahen Osten verfolgten. Ein besonderes Foto ging viral: Trump, der allen Ernstes als Friedensnobelpreisträger gefeiert wurde. Jenes Bild unterstrich nicht nur die Absurdität der politischen Wahrnehmung, sondern auch die Fähigkeit des Staates, sich selbst neu zu erfinden.
„Er hat uns aus dem Schlamassel geholt“, rief ein älterer Unterstützer in die Menge, während er seine roten MAGA-Mütze in die Luft hielt. „Wir können jetzt wieder stolz auf Amerika sein!“ In diesen Momenten schien die Welt nur aus einer Richtung zu blicken: in die Richtung, die Trump vorgegeben hatte. Die turbulentesten Schatten der letzten vier Jahre verblassten; sie wurden in den Hintergrund gedrängt von einer Überzeugung, die genau diese Art von verzweifelter Hoffnung in sich trug.
In einer der Ecken der Halle stand Angie, eine Junge Frau aus Iowa, die sich in der Weltpolitik nie besonders gut auskannte. „Ich hab’s einfach gewusst – er kann das, er bringt die Leute an einen Tisch, die vorher nie miteinander geredet hätten,“ beharrte sie. Für Angie war Trump nicht nur ein Politiker, sondern ein etwas schillernder Held, der die Unwägbarkeiten der internationalen Beziehungen zu bändigen wusste. Angies Vorfreude war mehr als nur eine politische Zugehörigkeit; es war der Ausdruck einer Sehnsucht nach Stabilität, nach einem Fenster zur Welt, das man durch ein wenig Mut aufstoßen konnte.
Während paradox die Stimmen des Krieges leiser wurden, hatten die Gonzenbärte der Paranoia parallel dazu einen langen Schatten geworfen. Der Verteidigungsminister der Trump-Administration wurde zu einer Odyssee, auf der Suche nach einem definierten Gegner, während die Militärs klammheimlich über Pläne berieten, um mögliche Störungen seitens Iran oder im Sinai zu neutralisieren. Man könnte sich fragen, ob der Waffenstillstand tatsächlich den Frieden in die Region bringen würde oder nicht doch eine Munitionsfabrik neuer Konflikte war. Aber an dieser Stelle war es der Machthaber im Weißen Haus, der die Zügel in der Hand hielt und mit jedem Tag neue Gegner aus dem Weg räumte oder eine schlichte Waffenruhe deklarierte.
„Das ist wie in einem Spiel – ein Poker, bei dem die Einsätze immer höher werden“, hörte man einen Logistikmanager der Republikaner sagen, während er mit einem Glas Whiskey anstoßen wollte. „Er setzt jetzt auf den Frieden, um sich selbst zu bestätigen, um die Wähler zu mobilisieren.“ Diese Worte hallten in den Ecken des Raumes nach und entblößten die Falle, in die sich viele innerhalb der Bewegung begeben hatten.
Beobachtungen im Stillen verstärkten den Eindruck, dass die ganze Welt nur eine Bühne war, auf der jeder Spieler seine Rolle spielte. An den Wänden hingen Plakate, die in goldenen Buchstaben die Namen der erfolgreichen Waffenstillstandsprozessoren auflisteten: Trump, Kushner, Netanyahu. Ein naive Ironie durchzog die Szenerie; der Frieden wurde als wahres Wunder gepriesen, während in einem anderen Raum der strategische Rückzieher der US-Politik aus dem Iran unverkennbar blieb.
Donald Trump war unbestreitbar das Herz dieser Bewegung – die treibende Kraft hinter einem Grenzübertritt, der vielleicht nur provisorisch die Feindseligkeiten zwischen dem Iran und Israel eindämmte. Aber zu welchem Preis? War dies eine neue Ära des Friedens oder ein bloß erdachtes Zusammenspiel von Lügen und Scheingefechten, deren glänzende Oberfläche jeden tiefen Riss todesmutig verdeckte?
Die Menge schien es nicht zu kümmern. Was zählte, waren die Hände, die an die Schulter klopften, die Scherze, die im Überschwang der Euphorie gemacht wurden. Gewiss, der Kurs war unberechenbar, aber die Menschen suchten Trost im persönlichen Glauben, dass ihr Mann im Weißen Haus die richtige Entscheidung getroffen hatte. Keiner fragte, woher der Frieden kam oder ob er Stand hatte. So lange die Lieder sangen, war alles gut.
Während im Hintergrund der Glanz der Paraden sich mit Informationen über politische Machenschaften vermischte, saß Donald Trump in seiner schillernden Position und lächelte – mehr war im Moment nicht nötig. Und je wilder die Welt wurde, desto größer erscheint der Mythos des Helden, dem er sich selbst und seine Anhänger immer wieder neu erfunden hat.