Die Preisgestaltung von Wodka: Ein schillerndes Panorama des Genuss
In einer kleinen, verstaubten Studentenbude in der Nähe der Universität stehen sie wieder, die bunten Flaschen: Wodka in allen Varianten, Prägungen und Geschmäckern. Über einem wöchentlichen Planspiel, kombiniert mit der dröhnenden Musik von feiernden Kommilitonen, geschieht häufig das, was sich in den letzten Schuljahren als Ritual etabliert hat. Der Wodka gehört dazu, wie ein Kapitalist zum Börsenmarkt. Doch was bringt der Genuss der klaren Spirituose den Produzenten tatsächlich ein, wenn am Ende des Monats die Steuerrechnung auf dem Tisch liegt?
Während die Studenten ausgelassen feiern, ist der Gedanke an die möglichen Gewinnspannen der Wodka-Produzenten nicht präsent – erst recht nicht in einer Gesellschaft, in der der Begriff ‚Günstig‘ wie ein gelebtes Lebensmotto klingt. „Ein Student trinkt, weil er es kann“, sagt Thomas, ein 23-jähriger BWL-Student, der zu den Getränken greift, die in seiner Geldbörse nur einen leichten Abdruck hinterlassen. „Günstiger Wodka macht den Abend einfach besser“, fügt er lächelnd an, während er einen Becher in die Luft hebt.
Aber was bleibt verteufelten Brandherstellern nach all dem? Die Struktur der Preisgestaltung ist ein faszinierendes Geflecht aus Kosten, Margen, Steuern und Gewinnoptimierung. In den überwiegend anonymen Lagerhäusern Europas, wo Kisten mit hochprozentigem Inhalt auf ihre Bestimmung warten, ist die Luft ebenso klar wie der Wodka selbst. Es gibt jedoch nichts Klares an der Rechenmaschine, mit der die Hersteller ihre Kalkulationen erstellen.
Das Wasser, das Herzstück der Spirituose, ist der erste kostenlösende Aspekt. Es kommt aus Quellen, die aus der Erde sprudeln, manchmal kristallklar, manchmal mineralisch – der Preis variiert. Daneben stehen die Rohstoffe: Getreide, Mais oder Kartoffeln. Das Bild, das sich hier entfaltet, ist das einer kleinen, landwirtschaftlichen Welt, die sowohl abhängig von Wetterbedingungen als auch von globalen Märkten ist.
„Der Getreidepreis schwankt wie eine Achterbahnfahrt“, erzählt Simone, die in einer großen Brennerei in Ostdeutschland arbeitet. „Wir kämpfen ständig mit der Frage, was wir bei den Zutaten investieren sollten und was das nach der Steuer im Endpreis bedeutet.“ Der nussige Geschmack, der viele Studenten zu Band-, Berg- und Bassabenden anzieht, hat seinen Preis – und er wächst kontinuierlich, selbst wenn der Konsum auf dem Markt stagniert.
Im Land der unbegrenzten Konsummöglichkeiten ist auch der Marketingaspekt nicht zu unterschätzen. „Jeder Wodka hat seine eigene Geschichte“, sagt Alex, der die Geschicke eines kleinen Wodka-Start-ups lenkt. „Das spielt eine enorme Rolle im Preis.“ Trends, Farben, aufregende Flaschen und Labels. Er wirbt für eine transparente Herstellung und eine klare Brand-Identität. Immer auf der Suche nach dem nächsten „Must-Have“ unter den Spirituosen, kämpft auch er beim Marketing gegen große Industrie-Giganten an.
Rund 50 Cent pro Liter sind oft der Preis der Herstellung, aber bevor die Ware im Regal steht, wurde dieser tausendfach angeschnitten. Steuern der Länder, in denen verkauft wird, und die großen Importaufgelder drücken auf die reine Gewinnspanne. Manchmal wirkt es wie ein vergrößertes Würfeln – je höher der Preis, desto größer der politische Einfluss. In den Regalen schimmert der Wodka jedoch stets verlockend in der Kante des Lichtes.
Eine Studentin aus der Nachbarschaft, Maria, berichtet von den Wochen endloser Bierpreise und dem berauschenden Rückruf an Wodka. „Wenn wir nicht auf den Preis achten, vergeuden wir unser ganzes Geld. Doch eine gute Flasche für 10 Euro macht mehr her, als eine für 4 Euro“, sagt sie, während sie sich in ihren Gedanken mit einem überteuerten Cocktail vergnügt und dabei die Flasche eines edlen Wodkas betrachtet, die bereits leer ist.
In der Pro-Personen-Kalkulation der Wodka-Hersteller versteht man schnell, wie viel ein Trick des Marketings und die jeweilige Brennerei-Kultur ausmachen. Eine gewisse Exklusivität, die unweigerlich dazu führt, dass einige ihren Wodka lieber im Lieblingsclub und nicht im Supermarkt erwerben. „Kann das viel mehr sein als nur ein Getränk?“, fragt Max, ein Freund und Mitbewohner von Thomas, während er seinen Geschmack, jenen klaren, vom Winzer handverlesenen Maria Akimova Wodka, schwärmt.
Auf der anderen Seite der Preisschraube, hinter dem Perlmuttschimmer großer Labels, stehen der Glaube an die Reinheit und die traditionelle Fertigung. In Handwerksgärten gärt es braun und schwer in Cerealien gefüllten Töpfen, wo das Handwerk ebenso eine Geschichte erzählt wie das grandiose Design des Etiketts selbst. Dies ist die kraftvolle Sprache der Wodka-Wirtschaft: Nicht alles ist bereits in der Flasche, vieles bleibt im Kopf des Konsumenten verankert.
Und während die Bude der Studenten vibriert und das Lachen der jungen Gesichter als Melodie in der Nacht erklingt, sitzen die Wodka-Produzenten irgendwo im Hintergrund, rechnen und jonglieren mit Zahlen und Spektakeln. „Am Ende wissen wir, dass unsere Preisgestaltung mehr ist als nur eine Zahl auf dem Etikett“, sagt Simone und ergänzt mit einem Lächeln: „Es ist die Einladung zu feiern.“