„Was hätte der Papst gedacht?“ – Ralph Fiennes und das Mysterium des Konklaves
In den ehrwürdigen Hallen des Vatikans, wo Geschichte auf Rituale trifft und Glauben auf Macht, gibt es Momente, in denen die Grenze zwischen Fiktion und Realität verblasst. Diesen schmalen Grat hat Ralph Fiennes mit seinem neuesten Film „Conclave“ beschritten – einem spannungsgeladenen Thriller, der den entscheidenden Moment in der Wahl eines neuen Papstes beleuchtet. Doch während Fiennes als Kardinal Thomas Lawrence in der Geschichte fesselt, bleibt einem die Frage: Was würde der neu gewählte Papst Leo XIV über die filmische Interpretation seiner möglichen ersten Stunden im Amt denken?
In einem Interview äußert Fiennes sein Verlangen, die Gedanken des Papstes zu erfahren. „Ich stellte mir vor, was sich wohl in seinem Kopf abspielt. Hat er gelächelt, während er zusah? Oder hat er sich einfach nur gefragt: ‘Was ist das für ein Unsinn?’“ Diese Neugier sprengt die Grenzen der Leinwand und lässt uns erahnen, wie eng das Zusammenspiel zwischen Spielfilm und den realen, oft ernsten Themen der Kirche sein kann. Fiennes, der gerade mal 62 Jahre alt ist, fragt nicht nur nach der Meinung des Papstes, sondern auch nach der aller anderen im Saal – den Kardinälen, die in den Wänden des Vatikans agieren.
Das Konklave – ein Augenblick, der nicht nur in den heiligen Hallen, sondern auch im Zuschauerraum von Bedeutung ist. Eine Versammlung, die über die Zukunft des Katholizismus entscheidet, und doch zu oft von einem Fluss aus Intrigen, Machtspielen und Geheimnissen durchzogen ist. In „Conclave“ orchestriert Fiennes als Lawrence eine schleichende Enthüllung der dunklen Geheimnisse der Kandidaten, die ihn gleichzeitig in eine moralische Zwickmühle stürzt. Wählt man den, der die Kirche reinigt, oder denjenigen, der das System am besten zu erzwingen weiß?
Fiennes mimt einen Mann, der zwischen Glauben und Politik schwebt. Seine Überlegungen, wie die Kirche und ihre Mitglieder auf den Film reagieren könnten, zeugen von einem tiefen Interesse an der menschlichen Natur der Figuren, die er spielt. „Ich hoffe, dass der Papst etwas aus dem Film mitnehmen kann. Vielleicht ein paar Einsichten über die Komplexität des menschlichen Herzens“, sagt er mit einem leichten Seufzer.
Und dann geschieht etwas Unerwartetes: Papst Leo XIV, ein amerikanischer Kardinal mit dem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost, schaut „Conclave“, bevor er selbst den Vorsitz über das geheime Treffen der Kardinäle übernimmt. Diese Anekdote, enthüllt von Revosts Bruder, der die Situation mit einem Augenzwinkern kommentiert, lässt uns schmunzeln und gleichzeitig nachdenken. Hat Leo XIV, während er das Bild seiner neuen Autorität inmitten des Liebesspiels um Macht und Einfluss im Film sieht, auch einen Moment der Reflexion gehabt?
„Nach jedem Teil, den du auf der Leinwand siehst, steckt die Frage dahinter: Was denkt die Welt über uns?“, reflektiert Fiennes weiter. Ob nun die Kardinäle das Geschehen als weniger realistisch empfanden oder nicht, hat keinen Einfluss auf die Symbiose von Kunst und Leben – die Kritik an der Institution Kirche wird immer drängen, während sich die Zuschauer fragen: „Ist das möglich?“
Fiennes selbst ist stolz auf die Ritualdarstellungen im Film. Es ist eine Gratwanderung: zwischen dem Erhalt der kirchlichen Traditionen und dem Unterhaltungswert eines Politthrillers. „Wir haben die Rituale sehr gut hinbekommen. Sicher, die Machtspiele wurden für die Dramaturgie etwas übertrieben, aber ich hoffe, dass sie dennoch den tieferen Kern der menschlichen Natur berühren.“
Die Bilder aus dem Film vermengen sich mit dem Bild des Papstes, der kürzlich gestorben ist, und der damit verbundenen Trauer in der Welt. Papst Franziskus, dessen Tod ein Ende einer Ära markiert, hinterlässt ein Erbe von Dialog und Reformen, das nicht nur das Bild der katholischen Kirche, sondern auch ihre Gegner herausfordert. In der Nachfolge wird Leo XIV als erste amerikanische Papstfigur in die Geschichte eingehen – eine matronale Hoffnung für viele, dass sich die Kirche in eine neue Richtung entwickeln kann, die sowohl modern und traditionell ist.
Wenn Fiennes über seine Hoffnung spricht, dass der Papst seinen Film genießt, schwingt mit einem Hauch von Melancholie das Gefühl von Entfremdung und Verbundenheit. „Ich habe meine Arbeit gemacht, nun liegt es nicht mehr in meiner Hand. Vielleicht wird er darüber lachen“, sinniert er. Es ist jene menschliche Unsicherheit, die uns mit dem Papst und den Kardinälen verbindet: der Wunsch, die Wahrheiten hinter der Fassade zu entdecken, die in einem Film wie „Conclave“ – und im echten Leben – verborgen bleiben dürfen. Und genau diese Mischung aus Hochstapelei und Aufrichtigkeit ist es, die das Wesen von Menschen, die mit dem Glauben und der Macht jonglieren, so anziehend macht.
Ein Blick hinter die Kulissen der Kirche, der mehr als nur Unterhaltung verspricht. Ist es nicht das, was wir uns alle wünschen? Ein wenig Licht ins Dunkel des Welchens? In dieser Fragestellung finden wir uns selbst – im Gespräch über diese kleine, große Welt des Glaubens und des Zweifels. Und wer weiß? Vielleicht sind es gerade die Fragen, die wir uns im Angesicht von „Conclave“ stellen, die uns ein Stück weit näher bringen – an die Wahrheit in der Fiktion und die Fiktion in der Wahrheit.