Markus Krebber: Ein Mann im Aufbruch – Die Zukunft von RWE bis 2031
Als die ersten Sonnenstrahlen über das Hauptquartier von RWE in Essen blitzen, wird die Stadt aus ihrem nächtlichen Schlummer gerüttelt. Hier, in einem der ältesten Stromkonzerne Deutschlands, der sich über Jahrzehnte den Stammtisch Gesprächen über Kohle und Atomkraft gestellt hat, ist etwas in Bewegung geraten. In den Vorstandsetagen wird spürbar, dass die Herausforderungen der Energiewende nicht nur technische, sondern auch menschliche Dimensionen haben. Markus Krebber, der CEO des Konzerns, hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit einem unerschütterlichen Stoizismus den Wandel zu gestalten. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sein Vertrag bis Ende 2031 verlängert werden soll; unweigerlich ein Zeichen des Vertrauens des Aufsichtsrats.
Krebbers Weg zur Spitze war geprägt von allem, was für einen CEO charakteristisch ist: harte Entscheidungen, teure Fehler, jedoch auch zukunftsweisende Ansätze. Geboren 1971 in Essen, offenbarte sich sein Interesse an Energie früh, als er in seiner Kindheit mit seinem Vater, einem Ingenieur, die Funktionsweise eines Kraftwerks erkundete. Die Begeisterung für Technik zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben, vom Maschinenbaustudium bis hin zu seiner ersten Anstellung in der Unternehmensstrategie von RWE.
Sein Blick ist geprägt von einer Pragmatik, die ihm die schwierigen Entscheidungen erleichtert hat, die oft auf dem Tisch eines Vorstands liegen: Die Dringlichkeit des Wandels in einer Branche, die lange Zeit auf den Schultern fossil-häuslicher Strukturen ruhte. „Wir stehen an einem Wendepunkt“, sagt Krebber in einem ruhigen, aber bestimmten Ton. Die Verantwortung, die auf seinen Schultern lastet, ist nicht nur unternehmerischer Natur, sie ist auch gesellschaftlicher Konsens. Zu oft bereits schien der Umbau der Energiesysteme wie eine Sisiphusaufgabe. Doch nun, nach dem Ausstieg aus der Kohle, hat RWE die ehrgeizige Vision, die Übertragung von Kohleverstromung hin zu einem Portfolio aus erneuerbaren Energien zu meistern: Windkraft, Solarenergie und Wasserstoff – all dies gehört zum Grundgerüst von RWE’s Strategiewandel.
Im Foyer des Konzerns, wo die Wände noch die Geschichten einer glorreichen Vergangenheit erzählen, fanden wir uns in einem Gespräch mit Krebber wieder. Er hatte die Fähigkeit, dabei gleichzeitig nostalgisch und fokussiert auf die Zukunft zu blicken. Mit einem leicht ironischen Lächeln beschreibt er die Herausforderungen: „Es ist wie ein Umzug in ein neues Haus – man muss sich neu einrichten, das Alte entsorgen, ohne die Nachbarn vor den Kopf zu stoßen.“
In den letzten Jahren ist RWE rasant gewachsen – und dies von der Kohle zu einer der führenden Kraft im Bereich der erneuerbaren Energien. Krebber selbst hat sich oft gegen Kritik gewehrt, die den Konzern in der Vergangenheit für seine fossilen Brennstoffe an den Pranger stellte. Doch im Herzen weiß er, dass der Wandel nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. „Wir können nicht einfach alles abreißen und neu bauen“, sagt er, während er an einem großen Fenster des Essener Hauptsitzes steht und auf die dynamisch wachsenden Windparks in der Ferne blickt.
Die Wende hin zu einer nachhaltigeren Produktionsweise bringt viele Staaten, Regionen und Interessen zusammen. RWE muss sich in diesem neuen Gefüge beweisen, und Krebber gibt sich optimistisch. Er möchte nicht nur in die Geschichte eingehen als der Mann, der RWE aus der Kohle führte, sondern auch als der Pionier, der die Energiewende nachhaltig gestaltete. Sein Ansatz ist dabei immer ein kooperativer: „Wir sind nicht die alleinige Lösung alle Probleme, sondern Teil eines größeren Ganzen.“
Trotz der drängenden Herausforderungen und der Verantwortung ist Krebber, von Natur aus ein ruhiger Mensch, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ein Kunde, der während eines Gesprächs über die Aktienkurse einen Witz über „grüne Zahlen“ macht, bringt ein leichtes Schmunzeln auf sein Gesicht. Der CEO wirkt alles andere als wie ein monotoner Börsen-Mathematiker; stattdessen reflektiert er das Schicksal, das Unternehmen und Gesellschaft miteinander verbindet. Wenn er über den Stellenwert von Nachhaltigkeit spricht, wird schnell klar, dass dies nicht nur eine Frage der Gewinne, sondern auch der Werte sei.
Das Echo seines Engagements und seiner Vision ist in der Stadt spürbar – die Diskussionen, die auf den Schulhöfen und in den Cafés geführt werden, zeugen von einem Bewusstsein, das über Jahre hinweg geschärft wurde. Mit Krebber an der Spitze hat RWE eine Perspektive entwickelt, die sich weit über die Grenzen der eigenen Branche erstreckt: nachhaltiger Strom, der die gesellschaftliche Bewegung zu einem klimabewussteren Leben stützt.
Die Entscheidung des Aufsichtsrates, Krebber weiterhin die Zügel in die Hand zu geben, ist also nicht nur das Ergebnis von betriebswirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch eine legitime Antwort auf die Zeitgeschichte. RWE steht vor der Aufgabe, ein Erbe des vergangenen Jahrhunderts neu zu definieren – und damit, so erscheint es, auch das eigene Selbstverständnis in einer Welt, die mehr denn je auf Weisheit und Weitsicht angewiesen ist.
Zwischen den Zahlen und den strategischen Planungen bleibt schließlich das Menschliche, das Drehen an den Rädchen im großen Maschinenraum der Energiewende. Dank Krebber wird nicht nur über Aktienkurse, sondern auch über die kostbare Strömung der Hoffnung gesprochen – dass wir nun bereiter sind, für eine zukunftsfähige Energieversorgung einzutreten. Sein Weg klingt niemals nach einer Einbahnstraße; es ist der Weg eines Mannes, der nicht nur RWE lenkt, sondern die Ambition hat, ein ganzes Zeitalter zu gestalten.