An einem stahlblauen Juli-Morgen in New York City schlürft David Corenswet einen Kaffee zum Mitnehmen, die Sonne reflektiert sich in seinen dunklen Sonnenbrillengläsern. Er trägt ein schlichtes, weißes Tanktop, das seine trainierten Oberarme betont, kombiniert mit hellen Khakihosen und einer grauen Sweatshirtjacke, lässig schräg über den Oberkörper gebunden. In der Hand hält er einen unspektakulären Plastiksack der Philadelphia Eagles – ein fast unscheinbares Accessoire, bei dem man fast hinschauen muss, weil es im kontrastreichen Glanze des zeitgenössischen Celebrity-Chic kaum auffällt. Doch genau dieser Beutel erzählt etwas über Corenswet, seine Herkunft, seine Haltung – und womöglich auch über eine kleine, subtile Rebellion.
Denn nur wenige Tage zuvor war da Nicholas Hoult gewesen, Co-Star im neuen James-Gunn-Film Superman, der in einer nahezu identischen Garderobe durch Manhattan spazierte: Tanktop, Jeans, lässig über den Arm geworfene Strickjacke. Doch Hoult setzte einen modischen Glanzpunkt, der Corenswets schlichtere Variante wie ein bewusstes Statement wirken ließ: ein massiver Prada-Totebag, gestählt von Stylist Jason Bolden und Celine-Schnitten, der auf den ersten Blick verkündet: Hier ist jemand, der sich in der Modewelt nicht nur bewegt, sondern sie mitbestimmt.
Die zwei Männer, die auf der Leinwand Gegenspieler sind – Superman gegen Lex Luthor, auf den ersten Blick so gegensätzlich wie Tag und Nacht –, spielen hinter den Kulissen ein kleines Theater der Ähnlichkeiten und Unterschiede. Ihre öffentliche Präsenz auf der Pressetour ist ein Balanceakt zwischen Konkurrenz und Komplizenschaft. Corenswet findet es offenbar amüsant, dieser stilistischen Parallelität mit einem ironischen Augenzwinkern zu begegnen. Sein Instagram-Post, der beide Looks nebeneinander zeigt, untermalt mit dem Lied „Sisters“ von Rosemary und Betty Clooney aus dem Jahr 1954, ist mehr als nur eine modische Fußnote. Es ist ein feiner Wink, der sagt: „Wir sind zwei Gesichter, aber irgendwo auch eins.“
Eine charmante Verrücktheit liegt in dieser Inszenierung, die von einem Lifestyle geprägt ist, der sich ansonsten selten zeigt: das Spiel mit der Ambivalenz, das Hineinziehen in die Homosocialität – jene geschlechterübergreifende Nähe, die Freundschaft kaum benennt und doch allgegenwärtig ist, wenn Männer sich umeinander drehen, stützen, herausfordern. Nicholas Hoult erzählt in Dax Shepards Armchair Expert-Podcast von einem Moment, als ihn seine Frau auf die Sehnsucht nach Geborgenheit hinwies, die nur jemand Größerer schenken kann. Hoult, mit 1,88 Metern ohnehin stattlich, wandte sich an Corenswet – einen echten Riesen mit 1,93 Metern – und bat um eine Umarmung. Sie fühlte sich „warm und sicher“ an, berichtet Hoult lachend.
Solche intimen, beiläufigen Momente wirken nicht nur wie kleine Fluchten von der Druckkulisse der Filmwerbung. Sie spiegeln etwas wider über Maskulinität, über die Sehnsucht nach Verbundenheit in einer Welt, die sie oft nur in Form von Rivalitäten und Konkurrenz zeigt. In einer Branche, die bekannt ist für ihre Inszenierungen und aufgesetzten Fassaden, verstricken sich Corenswet und Hoult mit ihren stilistischen Zwillingstricks und offenherzigen Gesten zu unfreiwilligen Komplizen – und zu problematischen Helden einer neuen Ära von Superheldenmarketing.
Dass eine solch subtile Dialogführung mit Humor, Ironie und feiner Selbstinszenierung bei den Fans und Medien den Nerv trifft, ist kaum überraschend. Im Gegenteil: Es zeigt, wie sehr wir nach menschlichen Geschichten hinter den Masken suchen, nach Verbindendem trotz vorgegebener Gegnerschaft. Auf der sozialen Bühne von Twitter – oder besser: X – bestaunte Rose Dommu auf ihre ganz eigene Weise dieses Schauspiel: „Man muss Nicholas Hoult für seine Frau respektieren, dass sie so elegant ‘fujosht’“, schrieb sie, ein Verweis auf die japanische Kulturtechnik, Beziehungsgeschichten zwischen Männern zu spinnen und zu feiern.
Was bleibt also, wenn der Vorhang fällt? Mehr als ein Filmstart, mehr als stylishe Auftritte, mehr als der große Kampf zwischen Gut und Böse. Es ist ein flüchtiges Stück Nähe, ein Tanz zwischen Freundschaft und Rivalität, ein philosophisches Spiel mit Rollenbildern und Identitäten, verpackt in schlichten weißen Tanktops und einem Beutel der Philadelphia Eagles. Vielleicht ist es genau das, was Superhelden heute wirklich ausmacht – nicht ihre Kräfte, sondern ihre Menschlichkeit.