Die Sonne schien grell auf das von Staub und Trubel geprägte Tesla-Werk in Fremont, Kalifornien. Ein gewaltiger Schriftzug prangte an den Wänden: „Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch.“ Doch während der Anblick modernster Autos und Raumschiff-ähnlicher Maschinen überwältigte, schwebte über den Köpfen der Angestellten und Besucher eine andere Zukunft, die leise, aber unverkennbar aus den Schatten hervorlugte: die der autonomen Fahrzeuge. Es war nicht der Tag eines neuen Modellstarts, sondern ein weiterer Schritt in Elon Musks ehrgeizigen, manchmal chaotischen Plan, seine Vision eines Robocar-Taxidienstes in die Realität umzusetzen.
Ein digitaler Gong ertönte. „Autopilot aktiviert“, meldete das Infotainmentsystem des Tesla. Das Szenario schien wie eine Werbung für die Zukunft: ein blitzsauberer Tesla rollte sanft über den Hof, die Passagiere auf den vorderen Sitzen schienen entspannt, während die Rückbank mit leeren Kaffeetassen und luxuriösen Kissen ausgestattet war. Musk hatte versprochen, dass die Fahrzeugflotte bald autonom fahren würde. Ein kurzer Blick auf die letzten Jahre, und die rosige Promenade des Versprechens musste einem krassen Gegensatz weichen.
„Das ist das Jahr, in dem wir das Robocar in die Welt bringen“, stellte Musk im letzten Quartal vor mehreren Jahren stolz fest. Inzwischen ist das Jahr fortgeschritten, und Aktionäre blieben auf dem Boden der Tatsachen: Musk hat viel angekündigt, doch die praktischen Ergebnisse waren bislang eher schüchtern. Tech-Enthusiasten und Investoren hatten sich auf einen aufregenden Wettlauf gefreut – und während sie ihre Taktiken ausbaldowerten, schlich sich die harsche Realität in den Vordergrund.
Ein Gespräch mit einem der Ingenieure, der anonym bleiben möchte, eröffnet in dieser Atmosphäre eine andere Sichtweise. „Wir wissen, dass wir die Technologie haben. Aber die Infrastruktur – die Gesetze, die Regeln, das öffentliche Vertrauen – all das kommt in Schüben“, erzählt er mit einem Seufzer. In seinen Augen blitzt der Hunger nach Innovation auf, aber auch das Eingeständnis, dass alles ein Wettlauf gegen die Zeit ist.
Vor nicht allzu langer Zeit war in Tesla ein gewisser Stolz zu spüren, als ein weiteres Projekt – die Flotte autonom fahrender Taxis – initiiert wurde. Musk sprach von disruptiven Veränderungen und sprachgezwungenen wie von der „heiligen Gral“ der Mobilität. Und doch waren, ähnlich wie die Passagiere in den Taxis, die Ergebnisse noch nicht bereit für die große Fahrt. Nachdenkliches Murmeln, das in den sozialen Netzwerken laut wurde: „Sind wir wirklich bereit, unser Vertrauen in Autos zu setzen, die keine menschlichen Fahrer haben?“
An einem Dienstagmorgen erblickte man auf dem Weg nach Palo Alto einige dieser Fahrzeuge, eigenständig fahrend, die sich in einseitigen Geschäftskomplexen abhielten. Manchmal schienen sie zu stolpern, manchmal standen sie einfach still an einer roten Ampel, als ob sie darüber nachdächten, was als Nächstes zu tun sei. Ein Instagram-Clip verbreitete sich schnell und verlor kein Wort über die technische Finesse der Fahrzeuge, sondern schwenkte die Kamera starr auf ein unbehagliches Stopp-Gesicht der kreisenden Passagiere. Die Menschen, in ihren Handys vertieft, waren sich nicht mal bewusst, wie sehr sie die Realität um sich herum verloren hatten – ein typischer Nebeneffekt in einer zunehmend gehyphten Welt.
Die Spannung zwischen dem Versprechen der Technologie und der Wirklichkeit scheint das Fundament des Fortschritts zu sein. Musk wird ungeduldig, während Investoren auf eine greifbare Veränderung hoffen. Und während die Wall Street das pulsierende Herz der Aufregung ist, sitzen unzählige Menschen hinter dem Lenkrad – sie warten, und sie hoffen. Es ist das allumfassende Warten auf den Moment, in dem der Traum der vollständigen Autonomie Realität wird.
Der Launch eines Robocar-Taxidienstes mag als unbestreitbarer Meilenstein in Musks Vision jubilieren, aber die beklemmende Frage bleibt, ob diese Vision nicht mehr ist als das flüchtige Licht am Ende eines Tunnels, der sich endlos scheint. Die Straßen von San Francisco, kalifornische Sonnenschein-Serpentinen und die schüchternen Zahlen der Gewinnberichte verschmelzen zu einem vielstimmigen Chorus der Erwartungen und der wachsenden Nervosität.
„Wenn die Technik bereit ist, erwarte ich auch die Menschen, dass sie bereit sind“, bemerkte ein VWL-Professor, den ich in einem Café nahe dem Firmensitz in Menlo Park traf. „Das ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine gesellschaftliche. Vertrauen zu schaffen, ist ebenso wertvoll wie Innovation.“ Und so bleibt ungewiss, wie die Menschen der Zukunft mit diesen Kühlschränken auf Rädern umgehen werden, während sie genussvoll die entspannenden Vorzüge der neuen Mobilität annehmen.
Jetzt, während der Wind den Staub aufwirbelt und das Sonnenlicht auf den glänzenden Lack der Fahrzeuge fällt, fragt sich der aufmerksame Beobachter, ob wir noch nicht lange genug auf den eigentlichen Aufbruch warten, der nicht nur kühl, sondern auch menschlich ist.